Internationaler Freimaurerorden für alle Menschen Österreich

LE DROIT HUMAIN

DAS MENSCHENRECHT

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Galerie der Erinnerung

Helene Reif

Helene Reif

Helene Reif wurde am 17. März als Helene Charlotte Stauber 1877 in Wien geboren. Sie war die erste Tochter des aus der ungarischen Reichshälfte zugewanderten Arztes Dr. Adalbert Stauber (1847 – 1909) und seiner Frau Johanna Kohn (1856 – 1930). Ihre Schwester Alice Elisabeth kam 1881 (- 1960 New York) zur Welt. Beide Elternteile waren jüdisch. Im Jahr ihrer Geburt trat der Vater in die freimaurerische Grenzloge Freundschaft ein. Als Arzt der k. k. Staatsbahnen und als Internist etablierte sich bald ein guter Ruf, den er als Direktor und ärztlicher Leiter des Kaiser Franz-Josef I. Rekonvaleszentenheims für arme Frauen in Hütteldorf bei Wien in der Rosenthalgasse 11, noch erweiterte. Diese in Österreich einzigartige Institution war 1889 auf seine Initiative hin, mit Hilfe seiner Loge gegründet und über Jahre hinaus von dieser finanziert worden. Ihre humanitäre und medizinische Notwendigkeit hatte sich mehr als bestätigt, sodass man 1898 in ein adäquates Gebäude nach Hütteldorf umziehen konnte. Verwaltung und ärztliche Leitung wurden von Logenmitgliedern übernommen, die hier die neuesten Erkenntnisse der Wissenschaft umzusetzen suchten. Dazu zählten auch Konzertaufführungen, denn man war überzeugt, dass Musik den Heilprozess beschleunigen konnte .

Der engagierte und wegen seiner Verdienste in Nachrufen geehrte Vater verstarb 1909 im Alter von nur 62 Jahren. Zu diesen Zeitpunkt war Tochter Helene bereits mit dem Gerichtsadvokaten Dr. Emil Reif verheiratet und hatte zwei Kinder geboren. Emil Reif, am 5. Jänner 1873 in Wien zur Welt gekommen, hatte 1896 promoviert und gab seiner Ehefrau 1904 im Stadttempel das Ja-Wort. 1905 erblickte Sohn Franz und 1907 Tochter Berta das Licht der Welt. Ihr Mann wurde, wie einst ihr Vater, 1910 Freimaurer der Grenzloge Freundschaft. Ihre Schwester Alice Elisabeth (1881/Wien-1960/New York) trat in die Fußstapfen des Vaters und wählte seinen Beruf. Sie spezialisierte sich als Frauenärztin und widmete sich darüber hinaus der Volksbildung. Eine rege Vortragstätigkeit, die Veranstaltungen wurden in unterschiedlichen Zeitungen angekündigt, ließ ihr frauenspezifisches Engagement sichtbar werden. Auch ihr Mann Dr. Heinrich Lehndorff (*1877 in /Wien-1965, + 1965New York), ein Dozent für Kinderheilkunde, präsentierte sich engagiert und ab 1924 als Mitglied der Freimaurerloge Humanitas. Freimaurerei und Medizin waren demnach in der Familie fester Bestandteil eines überaus aktiven Lebens. Helene Reif zog es hingegen nicht zur Medizin sondern zu den schönen Künsten. Sie wurde Sängerin.

Tragischerweise verlor sie ihren Mann mit 36 Jahren am 27. Oktober 1913. Er war nur 41 Jahre alt geworden, Helene Reif blieb mit den zwei kleinen Kindern zurück. Die persönlichen Unglücksfälle sollten die Witwe noch ihr weiteres Leben begleiten. Vorerst betätigte sie sich als Sängerin und Gesangslehrerin, musste ihre Tätigkeit offensichtlich im Ersten Weltkrieg einstellen und meldete sich 1919 mit einer diesbezüglichen Annonce wieder als Lehrerin zurück. Ebenso engagierte sie sich, wie ihre Schwester Alice, im 1912 gegründeten Verein für realgymnasialen Mädchenunterricht wo sie in der Zwischenkriegszeit Ausschussmitglied der Vereinsleitung war. Sohn Franz hatte es nach Amerika gezogen. In New York arbeitete er als Beamter in der Schröder Banking Corporation. Sein experimenteller Geist ließ ihn neben den Bankgeschäften nach einem Gift suchen, das einen schnellen und schmerzlosen Tod herbeiführen sollte. Seine Mixtur war erfolgreich. Er verstarb 1924 durch sein Selbstexperiment. Nur sechs Jahre danach verstarb Helene Reifs Mutter.

Helene Reifs Tochter Berta war der Sozialdemokratie beigetreten und wählte den Beruf ihres Großvaters. 1932 schloss sie mit 25 Jahren ihr Medizinstudium ab. Zusammen mit einem befreundeten Arzt untzenahm sie kurz nach ihrer Promotion einen Ausflug an den Semmeringder tödlich endete. Durch die Kollision mit einem Fuhrwerk löste sich ein dort geladener Holzpfahl und führte zum Tod der jungen Frau. Sie starb noch am Unfallort. Helene Reif hatte beide Kinder auf tragische Art verloren.

1932 ging Helene Reif in Pension und erhielt seit diesem Zeitpunkt eine Invaliditätsrente. 1931, ein Jahr zuvor, war sie der gemischten Loge Harmonie des Le Droit Humain beigetreten. Hier lernte sie Lilli Heu kennen, der sie Gesangsunterricht gab, was dieser nach ihrer Flucht in der englischen Emigration helfen sollte. Kurz nach dem sogenannten „Anschluß“ wurde ihr die Mitgliedschaft in der Loge 1938 zum Verhängnis. Die Gestapo verfügte bereits über die Informationen zu ihrer Mitgliedschaft, da sie zu dieser Zeit als Kassiererin der Loge deren Finanzen in Aufsicht hielt. Sechs Polizisten verhörten sie in ihrer Wohnung in der Fillgradergasse 5 , da mit der Auflösung und des Verbots von Vereinen deren Vermögen konfisziert werden sollte. Den anwesenden Polizisten stellte sie sich mutig und redegewandt entgegen. Helene Reif behauptete eine bei ihr gefundene Schachtel und deren Inhalt gehörten ihr, enthalte Einkünfte aus ihren Gesangsstunden und beides hätte nichts mit dem Vereinsvermögen zu tun. Damit stieß sie bei den Beamten auf Unverständnis, doch als sie darüber hinaus den Vorgesetzten zu sprechen wünschte, um, wie sie sagte, ein Unrecht zu verhindern, empfahl man ihr eine Beschwerde in der Gestapohauptzentrale auf dem Morzinplatz. Der Weg dorthin war kaum erfolgsversprechend und zudem höchst gefährlich. Doch ihr gelang es dort den Zuständigen zu überzeugenund sie durfte das Geld behalten . Vor der weiteren Verfolgung durch das Terrorregime war sie nicht geschützt. Am 14. Juli 1938 musste sie ihr Vermögen anmelden. Drei Jahre verblieben der betagten Widerständigen. Am 22. August 1941 wurde ihr gesamter Besitz, darunter Schmuck, Silbergeschirr, Aktien und ein Gartengrundstück in der Brigittenau enteignet. Am 28. November fand sie sich in einem Transport nach Minsk wieder, wo sie ermordet wurde.



Quelle: Archiv und Forschung des LE DROIT HUMAIN Österreich

Link: Helene Reif auf der Plattform WIEN GESCHICHTE WIKI

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